Ordnung für die Feststellungsprüfung (Sprachprüfung)

Aus Schulrecht Rheinland-Pfalz
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Anlage 4 zur VV Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

Die nachfolgenden Regelungen sind anzuwenden bei Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache oder Herkunftssprache nicht Deutsch ist, die in den Klassenstufen 5 bis 10 in die Regelklassen integriert werden und die Englisch als 1. Fremdsprache im Herkunftsland nicht gelernt haben.

1 Zweck der Prüfung

1.1 Bei diesen Schülerinnen und Schülern kann zur Fortsetzung der Schullaufbahn in der Sekundarstufe I an allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz Russisch oder - in Abhängigkeit von den personellen, organisatorischen und haushaltsmäßigen Voraussetzungen - die Amtssprache des Herkunftslandes als 1. oder/und 2. Fremdsprache anerkannt werden.

Ein Rechtsanspruch auf die Durchführung einer Sprachprüfung besteht nicht.

Voraussetzung für die Anerkennung ist, dass

  • die Sekundarstufe I einer deutschen Schule erst ab Klassenstufe 7 besucht worden ist,
  • eine Eingliederung in das Sprachangebot der deutschen Schule in den Klassenstufen 7 bis 11 nicht in zumutbarer Weise - d.h. in der Regel in zwei Jahren (vgl. § 12 Abs.1 Satz 2 Übergreifende Schulordnung) - erfolgen kann und
  • die in der Ersatzfremdsprache erfolgte Sprachprüfung erfolgreich ab- gelegt ist.

1.2 Die Durchführung einer Sprachprüfung setzt voraus, dass fachkundige Lehrkräfte als Prüferinnen und Prüfer zur Verfügung stehen. Dies ist der Fall bei Lehrkräften mit entsprechender Lehrbefähigung oder bei anderen Fachkräften mit vergleichbarer Qualifikation in der jeweiligen Sprache.

1.3 Für den Erwerb des Hauptschulabschlusses ist die Sprachprüfung in den folgenden Fällen entbehrlich:

1.3.1 Bei Schülerinnen und Schülern, die aus der Klasse 9 oder 10 einer Schule des Herkunftslandes unmittelbar in eine entsprechende Klassenstufe einer deutschen Schule eingetreten sind, wird für die Vergabe des Hauptschulabschlusses in der Regel die im Herkunftsland zuletzt erteilte Note für den Unterricht in Russisch oder in der Amtssprache des jeweiligen Herkunftslandes übernommen.

1.3.2 Für Schülerinnen und Schüler, die eine deutsche Schule erst ab der Klassenstufe 7 oder 8 besuchen und bis zum Hauptschulabschluss an einem den Regelunterricht ergänzenden Unterrichtsangebot in der Sprache ihres Herkunftslandes regelmäßig teilgenommen haben, wird für die Vergabe des vorgenannten Abschlusses die in diesem Unterricht zuletzt erteilte Note übernommen.

1.3.3 Für Schülerinnen und Schüler des 10. Schuljahres an Hauptschulen gilt Nummer 1.3.2 entsprechend, sofern die Anforderungen denen des Fremd- sprachenunterrichts entsprechen.

2 Anforderungen der Sprachprüfung

2.1 Bei der Anspruchshöhe der Sprachprüfung ist davon auszugehen, dass die jeweiligen Schülerinnen und Schüler sich in der Ersatzfremdsprache privat weiterbilden. Diese private Ausbildung erfolgt in voller Verantwortung der Erziehungsberechtigten bzw. der volljährigen Schülerinnen und Schüler. Wenn es personell und organisatorisch möglich ist, wird den jeweiligen Schülerinnen und Schülern auf Wunsch mindestens zweimal pro Halbjahr angeboten, sich bei einer geeigneten Lehrkraft über den gegebenen Lern- fortschritt zu informieren und über eine geeignete Prüfungsvorbereitung beraten zu lassen. Sofern im jeweiligen Fach muttersprachlicher Unterricht eingerichtet ist, kann die Teilnahme zur Prüfungsvorbereitung empfohlen werden.

2.2 Die Prüfungsanforderungen bestimmen sich im Fach Russisch nach den Vorgaben für dieses Fach und in den anderen Fremdsprachen unter Berücksichtigung des Alters des Prüflings in Orientierung an die Anforderun- gen in Englisch am Ende der Klasse 9 der Hauptschule oder der besuchten Klasse der jeweiligen Schulart.

3 Organisation der Sprachprüfung

3.1 Für die Organisation der Sprachprüfung ist die Schulbehörde verantwortlich.

3.2 Die Prüfung kann je nach Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der jeweiligen Sprache zentral oder dezentral an den einzelnen Schulen des Landes durchgeführt werden.

3.3 Die Bestimmung einer geeigneten Prüferin oder eines geeigneten Prüfers obliegt der Schulbehörde. Sofern nicht als Beisitzerin oder Beisitzer eine weitere Fachkraft zur Verfügung steht, soll bei der Durchführung der Prüfung eine Lehrkraft mit der Lehrbefähigung für eine moderne Fremdsprache mitwirken.

3.4 Die Sprachprüfung findet, sofern die personellen Voraussetzungen gegeben sind, jeweils gegen Ende eines jeden Schulhalbjahres, mindestens jedoch einmal gegen Ende des Schuljahres (Mai/Juni) statt.

3.5 Die Meldungen zur Sprachprüfung sind durch die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer nach rechtzeitiger Information der Schülerinnen und Schüler über die Schulleitung bis zum 15. November eines jeden Jahres der Schulbehörde zuzuleiten; sofern die Sprachprüfung nur einmal gegen Ende des Schuljahres stattfindet, ist die Meldung bis zum 1. Februar eines Jahres vorzulegen.

4 Durchführung der Sprachprüfung

4.1 Die Sprachprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil; beide Prüfungsteile können an einem Tag stattfinden.

4.2 Die schriftliche Prüfung entspricht in Umfang und Dauer der für die Schulart und die Jahrgangsstufe üblichen Klassenarbeit in der 1. und 2. Pflichtfremdsprache bzw. Wahlpflichtfremdsprache. Die Prüfungszeit für den mündlichen Prüfungsteil beträgt 15 bis 20 Minuten.

4.3 Die Note der Sprachprüfung wird unter gleichwertiger Berücksichtigung des schriftlichen und mündlichen Prüfungsteils von der Prüferin oder dem Prüfer als vorsitzendes Mitglied nach Beratung mit der Beisitzerin oder dem Beisitzer festgesetzt.

4.4 Über die Prüfung ist von der Beisitzerin oder dem Beisitzer eine Niederschrift zu erstellen, die von der Prüferin oder dem Prüfer zu unterzeichnen ist. Aus der Niederschrift müssen die Namen des Prüflings, der Prüferin oder des Prüfers, der Beisitzerin oder des Beisitzers, das Beratungsergebnis, die Prüfungszeit, die gestellten Aufgaben und die erteilte Note ersichtlich sein.

5 Wiederholung der Sprachprüfung

Die Sprachprüfung kann bei nicht ausreichender Gesamtnote einmal wiederholt werden, sofern die Verbesserung des Prüfungsergebnisses für die Versetzungsentscheidung oder für das Erreichen eines Schulabschlusses erforderlich ist.

6 Zeugnis

Die in der Sprachprüfung erreichte Note ist versetzungsrelevant und wird von der Schule in das jeweilige Zeugnis wie folgt übertragen:

In der Spalte "Bemerkungen" ist aufzunehmen: "Die Note in wurde aufgrund der Sprachprüfung gemäß Anlage zur geltenden Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Bildung, Frauen und Ju- gend vom erteilt."

7 Besondere Regelungen für die gymnasiale Oberstufe

Bei der Festsetzung der Anforderungen und der Note muss eine Lehrkraft, die die Lehrbefähigung für eine moderne Fremdsprache für das Lehramt an Gymnasien besitzt, als Beisitzerin oder Beisitzer verantwortlich mitwirken.

In der Qualifikationsphase (ab Halbjahr 11/2) können zu erfüllende Belegungsverpflichtungen nicht durch Feststellungsprüfungen ersetzt werden.

8 Prüfungsvergütung

Die Durchführung der Sprachprüfung durch nebenamtlich/nebenberuflich tätige Lehrkräfte sowie sonstige Fachkräfte wird vergütet nach den Vergütungssätzen der Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend über die Vergütung von nebenamtlichen/nebenberuflichen Prüfertätigkeiten bei Schulprüfungen einschließlich Prüfungen von Nichtschülerinnen und Nichtschülern sowie Ergänzungsprüfungen vom 29. Sep- tember 2006 (GAmtsbl. S. 566) in der jeweils geltenden Fassung.

9 Anerkennung als Unterricht

Die Beratungs- und Ausbildungsaufgaben bei mindestens 4 Schülerinnen oder Schülern können von Lehrkräften an Gymnasien mit Zustimmung der Schulbehörde im Rahmen von schulischen Arbeitsgemeinschaften erfüllt werden. Dementsprechend gilt mit Zustimmung der Schulbehörde die Erfüllung vorstehender Aufgaben durch Lehrkräfte anderer Schularten als Un- terrichtserteilung im wahlfreien Bereich.